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Es regnet Sterne rund um Breiðholt

Feb 22 , 2017

Von Gudrun M. H. Kloes in Allgemeines
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Alles andere als die gerade gängige Debatte, ausgelöst von isländischen Präsidenten, über Ananas auf der Pizza.

Isländische und färörische Köche und ihre Restaurants erhielten gerade jeweils ihren ersten Michelin-Stern, und in beiden Fällen handelt es sich um den ersten Stern der jeweiligen Nation, wenn man das so sagen kann.

In Kirkjubøur, nicht weit südlich der Hauptstadt Þórshöfn auf den Färöern, legt Chefkoch Poul Andrias Ziska sein ganzes Augenmerk auf lokale Meeresprodukte und serviert sie mit urigem Beiwerk, siehe www.koks.fo. Ein Stern dafür.

In der neu hergerichteten Hverfisgata (Nummer 12) im alten Zentrum von Reykjavík (denn ich bin belehrt worden, dass das neue Zentrum Breiðholt heißt, und das nicht nur im geographischen Sinn), also im alten Zentrum befindet sich das mehrfach preisgekrönte Restaurant Dill (www.dillrestraurant.is). Dill sagt über Dill: Wir versuchen das zu nutzen, das um uns herum ist und begrüßen unsere hergebrachten Traditionen auf unsere Weise”, und es wird versichert, dass dies mit Freude geschieht. Ein Stern hier für Chefkoch Ragnar Eiríksson.

Dazu soll gesagt werden, dass Karl Gíslason, der Dill-Vorgänger von Ragnar Eiríksson, das Restaurant Agern am Grand Terminal in New York übernahm (zusammen mit Claus Meyer), was dem Agern im letzten Jahr zu einem Michelin-Stern verhalf.

Zu Breiðholt, von Snobs der Weststadt Reykjavíks gern Ghetto genannt, weil dort zwischen mittelständischen Einfamilien- und Reihenhäusern zahlreiche, riesige Wohnblocks in den Nordwind ragen und auch andere Bausünden begangen wurden, soll noch ein Wörtchen verloren werden. Eine endlose Reihenhauskette steht quer zum Wind und trägt den Spitznamen “Der lange Unfug”, einer der gepflegten Wohnblocks wird “Krókurinn” genannt, nach der Stadt Sauðárkrókur im Skagafjörður, weil angeblich annähernd so viele Menschen in dem Block leben wie im kompletten Sauðárkrókur, aber lasst euch nicht täuschen. Der kunterbunte Stadtteil im Osten von Reykjavík weist nicht nur das höchst aktive Kulturzentrum Gerðuberg und die Galerie moderner Kunst Nýlistasafn auf, sondern auch im Fella-Bezirk das “Alte Café” (https://www.facebook.com/gamlakaffihusid/) in Drafnarfell, mit soliden Kuchen und Gerichten, darunter Fohlensteak, eine sonst auf isländischen und auch faröischen Menus kaum zu findende Spezialität (Ausnahme: Hotel Varmahlíð im genannten Skagafjörður, http://www.hotelvarmahlid.is/en/restaurant/).

Dill ist eine Reise wert, ich hab’s mal probiert. Das Gamla kaffihúsið und Hotel Varmahlíð sind es auch, ebenfalls von mir probiert.

In die Bezirke Breiðholts und die angrenzende Natur kommt man bequem mit Linienbussen ab Hlemmur nach Mjódd und von dort weiter, wobei Mjódd selber auch schon am Rande von Breiðholt liegt. In diesem Stadtteil gibt es Wanderwege durch Wäldchen und Fußwege zwischen den Wohnblocks, polnische Lädchen “Minimarket”, weiter unten rauscht der Fluss Ellidaá und weiter oben finden sich noch Maschinengewehrnester aus dem 2. Weltkrieg, es gibt ein hervorragendes Schwimmbad, großflächige Wandbmalungen und andere Kultur (z.B. www.breidholtfestival.com),  Geschichte und Alltag, das Freilichtmuseum Árbær ist nicht weit, und alles das ist meine Empfehlung des Tages. Ohne Ananas.

Ein Kommentar zu “Es regnet Sterne rund um Breiðholt”

  1. Hans Klüche

    Gudrun, Dein Schreibe ist wunderbar. Danke für die tollen Infos. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen und bei mir gibt’s heute nur ostwestfälischen Wurstebrei an blauem Kartoffelbrei (von blauen Kartoffeln).

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